Wie erschließt man einen Brunnen?

Vorausschauendes Wirtschaften prägt seit mehr als 125 Jahren die Unternehmensgeschichte von Gerolsteiner. Dazu gehört, schon frühzeitig neue Wasserquellen für künftige Generationen zu erschließen. Mit dem Ausbau der Quelle Nollenborn nimmt Gerolsteiner derzeit seine Quelle in Betrieb. Was dabei genau passiert, erklären wir hier.

Bevor natürliches Mineralwasser aus der Flasche ins Glas sprudelt, ist viel passiert. Jedes Mineralwasser beginnt als Niederschlag, der im Boden versickert. Auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten wird er gefiltert und gleichzeitig mit den verschiedensten Mineralien angereichert. Diese Reise kann Jahrzehnte dauern und ist erst beendet, wenn er auf wasserundurchlässliche Gesteinsschichten trifft. Sie können mehrere hundert Meter tief verborgen liegen, wo sie das Wasser stauen und es gut vor Verunreinigungen schützen. 

Jedes Mineralwasser ist ein Spiegel seiner Region

Da jede Ecke Deutschlands ein individuelles Bodenprofil besitzt, ist auch jedes Mineralwasser einzigartig. So nimmt der Regen Calcium aus Böden mit Kalkgestein auf, aus gipshaltigen Gesteinsschichten Sulfat. Durchfließt es unterirdische Salzablagerungen, reichert es sich mit Chlorid und Natrium an. Und in Regionen mit vulkanischer Vorgeschichte wie der Eifel entstehen Mineralwässer mit natürlicher Kohlensäure. Derzeit sind hierzulande Mineralwässer aus 824 Quellen amtlich anerkannt (BVL, 20. Februar 2015). Jedes davon ist ein Spiegelbild seiner Region.

Umgekehrt bedeutet das, dass man mit dem Wissen über die geologischen Gegebenheiten eines Bodens gezielt auf die Suche nach dem gewünschten Mineralwasser gehen kann. Denn je nach geplantem Verwendungszweck muss es andere Eigenschaften mitbringen. Soll es als prickelndes Mineralwasser abgefüllt werden, sind eine hohe Mineralisierung und ein natürlicher Kohlensäuregehalt relevant. Als Basis für Erfrischungsgetränke wie zum Beispiel Limonaden und Near-Water-Produkte kann wiederum ein Wasser mit weniger Mineralstoffen interessant sein.

Die Erschließung einer neuen Quelle beginnt mit der Probebohrung

Da Mineralwasser nur selten von alleine aus dem Boden sprudelt, müssen die meisten Quellen durch Bohrungen erschlossen werden. Der Suche nach geeigneten Mineralwasservorkommen gehen daher umfangreiche Messungen und Gutachten voraus. Geologische Karten, Bilder aus dem Erdinneren und seismische Profile helfen, eine neue Quelle zu lokalisieren. Zum Ende steht ein exakter Bohrpunkt fest, der die größten Erfolgschancen verspricht. An dieser Stelle wird nun eine Probebohrung (Erkundungsbohrung) vorgenommen.

Dieses Vorhaben muss sich Gerolsteiner von den zuständigen Behörden genehmigen lassen. Für die reine Erkundungsbohrung genügt ein zeitlich befristetes Wasserrecht .In Rheinland-Pfalz ist dafür die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) die richtige Anlaufstelle. Erst, wenn alle nötigen Papiere vorliegen, rücken Geologen und erfahrene Bohrmeister mit ihrem Gerät an. Bis sich die rotierenden Bohrköpfe in die unterirdischen Wasservorkommen durchgearbeitet haben, können Wochen bis Monate vergehen.

Amtliche Anerkennung und Brunnenbau

Sobald die Bohrköpfe auf Wasser treffen, findet die Probebohrung ein vorläufiges Ende. Denn jetzt muss der Schatz der Erde zunächst genau analysiert werden. „Wir haben zwar eine gewisse Vorstellung, was wir dort unten finden. Aber völlig sicher sein können wir nie“, sagt Dr. Thomas Hens, Leiter Technische Entwicklung und Ressourcen bei Gerolsteiner. In mehr als 200 Einzeluntersuchungen werden daher die geologischen, hydrologischen, physiologischen, chemischen und hygienisch-mikrobiologischen Eigenschaften des Wassers überprüft. Nur wenn diese die gesetzlichen Vorgaben der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) erfüllen, bekommt es die amtliche Anerkennung als natürliches Mineralwasser. Das Wasser der Quelle „Nollenborn“ hat seine am 10. September 2012 erhalten und beweist damit unter anderem, dass es sich durch einen natürlichen Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen auszeichnet und seine Zusammensetzung im Rahmen natürlicher Schwankungen konstant bleibt. Denn der Verbraucher soll sich später auf ein gleichbleibend hochwertiges Lebensmittel verlassen können. Übrigens: Mineralwasser ist das einzige deutsche Lebensmittel, das erst mit einer solchen Anerkennung gewerbsmäßig in den Verkehr gebracht werden darf.

Auf dem Weg zur systematischen Förderung muss das vorläufige Wasserrecht verlängert werden. Diesen Antrag bewilligen die zuständigen Behörden erst nach einer umfassenden Prüfung. So muss Gerolsteiner zum Beispiel nachweisen, dass die Wasserentnahme langfristig keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat. Auch die Öffentlichkeit muss mit dem Vorhaben einverstanden sein. Erst wenn alle Beteiligten grünes Licht geben, darf der Brunnen genutzt und natürliches Mineralwasser gewonnen werden. Das erteilte Wasserrecht als auch die Genehmigung zur Nutzung des Brunnens sind an eine Reihe an Auflagen geknüpft. So wird beispielsweise die maximale Fördermenge pro Stunde, pro Tag und pro Jahr festgelegt. Diese orientiert sich an einer Reihe von geologischen und hydrogeologischen Messergebnissen, die im Rahmen der Genehmigungsverfahren durchgeführt wurden. Über die strengen behördlichen Vorgaben hinaus ist das Gerolsteiner Bewirtschaftungskonzept so ausgelegt, dass maximal 80 Prozent der genehmigten Wassermenge aus den einzelnen Quellen entnommen werden dürfen. Der Mineralbrunnen achtet darauf, sicher unter dieser Quote zu bleiben.

Jetzt kann der Ausbau zu einem nachhaltigen und beständigen Brunnenbauwerk fertig gestellt werden. Dazu werden Edelstahlrohre in den Boden eingelassen, die im unteren Bereich mit Schlitzen versehen sind. Durch sie sickert das Mineralwasser aus den wasserführenden Gesteinsschichten herein und kann nun nach oben gepumpt werden. An der Erdoberfläche dichtet eine Brunnenstube die Quelle vor äußeren Einflüssen ab. Im November 2013 wurde das kleine Betonhäuschen für die Quelle „Nollenborn“ gesetzt. Darin befinden sich Messinstrumente, die Elektroversorgung und die Probenahmevorrichtung, mit der regelmäßig Proben entnommen werden können. Zudem bildet die Brunnenstube den Übergang zu einem geschlossenen Leitungssystem, das den Brunnen mit dem Abfüllbetrieb im Vulkanring verbindet.

Von der Quelle in die Flasche

Etwa fünf Jahre vergehen also vom Beginn der Probebohrung bis zur ersten Flaschenfüllung, vom Versickern des Regenwassers an durchaus Jahrhunderte. Befindet sich das Mineralwasser aber erstmal am Tageslicht, geht es schnell: Die MTVO gibt vor, dass es noch am Quellort abgefüllt werden muss. Außerdem lässt die Verordnung nur wenige Behandlungsverfahren zu. So ist es erlaubt, dem Mineralwasser Kohlensäure zu entnehmen oder hinzuzufügen, damit der Gehalt in allen Flaschen einer Sorte konstant ist. Außerdem dürfen aus geschmacklichen Gründen Eisen, Schwefel und Mangan entfernt werden. Die nötige Filteranlage hat ihre Abnahme im August 2015 erhalten.

Qualität und Reinheit sind oberstes Gebot eines natürlichen Mineralwassers. Bevor es in den Handel kommen darf, werden deshalb der gesamte Förderprozess sowie die erste Flaschenfüllung von unabhängigen Prüflaboren noch einmal ganz besonders genau unter die Lupe genommen. Erst dann steht dem Verkauf nichts mehr im Weg.

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