Die Gerolsteiner "Elefantenhochzeit"

„Anderthalb Jahrzehnte hindurch habe man’s immer wieder erörtert und wegen der schönen Eigenentwicklung der Marken denn doch nicht geschafft.“ (Die Welt, 1984)

Die Rede ist vom Zusammenschluss der beiden großen Gerolsteiner Mineralwasserbrunnen „Gerolsteiner Sprudel GmbH & Co. KG“ und „Gerolsteiner Flora-Brunnen, Rud. Buse GmbH & Co. KG“ im Jahre 1984. Nach 100-jähriger Konkurrenz beschlossen die Betriebe gemeinsam in die Zukunft zu gehen und katapultierten sich durch die Fusion an die Spitze der damals 190 Brunnenbetriebe im Bundesgebiet.

Der Gerolsteiner Flora-Brunnen blickte bis zu diesem Zeitpunkt auf eine lange und erfolgreiche Tradition zurück. Alles begann im Jahre 1883, als mit der ersten Abfüllung des Gerolsteiner Mineralwassers unter der Bezeichnung „Gerolsteiner FLORA“ begonnen wurde.

1883 - Die Gründung des Gerolsteiner Flora Brunnen

1883 Gründung des Gerolsteiner Flora Brunnen

Eigentlich hatte der Gründer Rudolf Ehrenfried Buse die Errichtung eines Mineralwasserbrunnens gar nicht vorgesehen. 1875 errichtete er in Bad Hönningen eine Tütenfabrik. Die in der Hönninger Gemarkung „Hundsacker“ ausströmenden „Erdgase“ (heute als Kohlensäure bekannt) faszinierten ihn derart, dass er sich der Verflüssigung dieses Gases zuwendete und an mehreren Stellen in Deutschland, unter anderem auch in Gerolstein, Kohlensäure-Werke gründete.

Der Tatsache, dass bei den damaligen Bohrungen, neben der anfallenden natürlichen Quellkohlensäure auch ein vorzügliches, bereits seit der Römerzeit bekanntes Mineralwasser wieder entdeckt wurde, ist es zu verdanken, dass Buse 1883 den Gerolsteiner Flora-Brunnen gründete.

Seinen Namen verdankt das Mineralwasser übrigens der römischen Göttin „FLORA“, der als Patronin der Fruchtbarkeit und der Natur eine besondere Heilkraft zugeschrieben wurde.

1928 Fließbandarbeit

Nach dem Tod von Rudolf E. Buse im Jahre 1928 übernahm dessen Sohn Rudolf Buse die Führung des Unternehmens und baute dieses zu einem modernen Betrieb aus. Die bis dahin übliche Handabfüllung von Mineralwasser wurde fortan „fließbandmäßig“ gestaltet (wie man sich damals ausdrückte).  Durch das neue Verfahren konnten Mitte der 20er Jahre 6.000 Glasflaschen pro Stunde abgefüllt werden.

Rudolf Buse starb 1934 bereits im Alter von 47 Jahren. Seine Frau Helene lenkte daraufhin die Geschicke des Flora-Brunnens. Ihr besonderer Verdienst war die Einführung von Mineralwasser-Süßgetränken, nachdem der Konsum von Mineralwasser, nach dessen Besteuerung im Jahre 1930, stagnierte.

Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

1945 Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Nachdem der Betrieb während des 2. Weltkrieges vollkommen zerstört wurde, war es ebenfalls Helene Buse, die von 1945 bis 1952 gemeinsam mit ihren Söhnen den Flora-Brunnen wieder aufbauen ließ. Schließlich übernahmen die beiden ab 1958 die Leitung des Unternehmens, wobei sich Rolf Buse vornehmlich um die Kohlensäure-Werke der BUSE-Gruppe kümmerte, während Dr. Eberhard Buse sich mehr und mehr dem Mineralbrunnen-Unternehmen zuwandte.

Dabei trieb er die begonnenen Modernisierungsmaßnahmen sowie die Ausweitung der Produktion kontinuierlich fort, wobei ihn sein ausgeprägter Geschäftssinn und sein unternehmerisches Vermögen ebenso prägten, wie sein Billigkeits- und Rechtsgefühl gegenüber anderen Personen sowie die Liebe zum Beruf.  

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahre 1983 wurde schließlich eine Füllkapazität von 100.000 Flaschen (0,7 l) in der Stunde erreicht; zudem näherte man sich der Absatzzahl von 90 Mio. Flaschen jährlich.

1984 – Die Geburt eines Mineralwasser-„Riesen“

1984 Zusammmenschluss von Florabrunnen und Gerolsteiner Sprudel GmbH & Co. KG

1984 war es schließlich so weit: Unter Beibehaltung ihrer rechtlichen Selbständigkeit trat die Gerolsteiner Flora-Brunnen, Rud. Buse GmbH mit einer maßgeblichen Beteiligung von 33 % als Kommanditistin in die Gerolsteiner Sprudel GmbH & Co. KG ein. Damit schlossen sich nun auch die beiden letzten verbliebenen Gerolsteiner Mineralwasser-Unternehmen zusammen, nachdem der Gerolsteiner Sprudel zuvor schon den Schlossbrunnen, den Gerolsteiner Brunnen sowie den Rockeskyller Sprudel übernommen hatte.

Mit dem Zusammenschluss trugen die Gesellschafter beider Unternehmen der Tatsache Rechnung, dass wegen des sich verschärfenden Wettbewerbs und der Geltung, die die Marke „Gerolsteiner“ am Mineralwassermarkt hatte, diese Stellung gefestigt und die nationale Marktbedeutung weiter ausgebaut werden konnte.

Auf dem Markt hatten sich die Markenprodukte – hier „Stern“ dort „Flora“ – in der Meinung der Verbraucher als Folge der gemeinsamen Herkunftsbezeichnung „Gerolsteiner“ oft miteinander vermischt und die gewünschte Differenzierung einer jeweils eigenständigen Markenpolitik deutlich erschwert. Die Existenz von zwei Gerolsteiner Mineralbrunnenbetrieben mit ähnlichem Verkaufsprogramm war somit der Profilierung beider Unternehmen letztlich nicht förderlich.

Nun aber war ein klares, nationales Vertriebskonzept vorhanden, mit dem das Unternehmen seine Position unter den führenden deutschen Mineralbrunnen zielstrebig und engagiert ausbauen wollte. Dr. Eberhard Buse war dabei neben Herbert Neusen als Hauptgeschäftsführer (Technik) in der Geschäftsführung vertreten.

Rückblickend war das Jahr 1984 der Startschuss einer einzigartigen Entwicklung. Das Gerolsteiner Mineralwasser ist heute die Nr. 1 in Deutschland. Dabei ist die Buse Kohlensäuregruppe nach wie vor als Gesellschafter mit einem Anteil von 33 % vertreten.