Transport, Logistik und erneuerbare Ressourcen

Bio-Erdgas für LKWs

Die Auslieferung unserer Produkte macht circa 30 Prozent unseres CO2- Gesamtfußabdrucks aus. Eine große Chance für Verbesserungen, die wir gemeinsam mit unseren Spediteuren Rothschild Logistic Group, Konsortium LMR, L.I.T. AG und TCT-Speditions GmbH nutzen: Nach und nach werden alle Lkw, die in unserem Auftrag in Deutschland und Benelux unterwegs sind, und unsere eigene Lkw-Flotte auf den Antrieb mit flüssigem Bio-Erdgas (Liquified Natural Gas/LNG) umgestellt – insgesamt mehr als 50 Lkw. Dieser Antrieb ist genauso leistungsfähig wie ein klassischer Dieselmotor, emittiert aber deutlich weniger CO2, Stickoxide und Feinstaub.

LNG spielt seine Vorteile besonders dann aus, wenn es aus organischen Abfällen gewonnen wird: Bio-LNG verursacht bis zu 85 Prozent weniger CO2-Emissionen als Diesel. Wird das Erdgas aus dem Erdinneren gefördert, sind es bis zu 15 Prozent. „Deswegen ist es unser Ziel, unsere Lkw-Auslieferung bis zum Jahr 2025 auf 100 Prozent Bio-LNG umzustellen“, sagt Carsten Schönborn, Leiter Versand.

LKW mit der Aufschrift: Wir liefern so, dass die Umwelt geschützt wird. Wir setzen auf Bio-Gas, bis zu 85 % weniger CO2-Ausstoß*, bis zu 71 kg weniger CO2-Ausstoß auf 100 km.

Was ist LNG?

LNG steht für „Liquified Natural Gas“: Erdgas, das durch Abkühlung verflüssigt wird. Es hat deutlich weniger Volumen als in Gasform und kann gut transportiert werden. LNG besteht hauptsächlich aus Methan und ist nicht toxisch. Erdgas wird entweder aus großer Tiefe durch Bohrlöcher gefördert oder – als Bio-LNG – aus organischen Abfällen gewonnen. Es verbrennt besonders schadstoffarm und ist der fossile Energieträger mit den geringsten TreibhausgasEmissionen und Feinstaubbelastungen.

Infrastruktur als Voraussetzung

Dazu bedarf es natürlich auch der dazugehörigen Infrastruktur. Ein erster Schritt dahin ist die mobile LNG-Tankstelle bei unserem Speditionspartner Rothschild Logistic Group in Ulmen, etwa 30 Kilometer von Gerolstein entfernt. Seit Mai 2020 werden hier die Lkw von Rothschild versorgt, wodurch bereits jetzt – Mitte 2021 – jährlich mehr als 700.000 Liter Diesel durch Bio-LNG ersetzt werden. Tendenz: steigend, denn in Kürze soll an einem weiteren Standort eine stationäre LNG-Tankstelle errichtet werden, und auch unsere Zugmaschinen werden in Zukunft bei Rothschild Bio-LNG tanken. „Wir investieren hier in unsere Umwelt“, sagt Herbert Rothschild. „Mag sein, dass LNG lediglich eine Zwischenlösung für die Mobilität darstellt – aber warum sollten wir diese nicht nutzen? Jeder Schritt, der der Umwelt zugutekommt, ist ein richtiger.“

Zusammenarbeit mit unseren Spediteuren

Bei allen Vorteilen, die LNG-Antriebe mit sich bringen: Die Lkw sind in Anschaffung und Wartung aktuell deutlich teurer als Dieselfahrzeuge. Auch die Entwicklung und Konstruktion einer neuen Wechselbrücke ist mit Investitionen verbunden. Damit unsere Speditionspartner hier kein wirtschaftliches Risiko eingehen und die Sicherheit haben, dass wir langfristig an ihrer Seite sind, haben wir zum einen die Verträge mit ihnen vorzeitig um fünf weitere Jahre verlängert. Zum anderen teilen wir uns die Mehrkosten fair mit ihnen. Denn wir sind überzeugt davon, dass wir gemeinsam am meisten bewegen können. 

Aerodynamische Verkleidungen zur Kraftstoff-Reduktion

Die Umstellung auf LNG als LKW-Kraftstoff ist einer der größten Hebel, um Emissionen beim Versand zu senken. Aber auch kleinere Maßnahmen tragen dazu bei, dass wir immer nachhaltiger werden. Beispielsweise werden wir neue Lkw für unsere Flotte mit aerodynamischen Verkleidungen ausstatten. Sie senken den Luftwiderstand und reduzieren den Kraftstoffverbrauch um vier bis fünf Prozent.

Wechselbrücken für den Bahntransport

Mit L.I.T. in Norddeutschland setzen wir noch ein weiteres interessantes Projekt um. L.I.T. setzt bei Transporten verstärkt auf die Verbindung von Lkw und Bahn, wobei Wechselbrücken genutzt werden. Diese Auflieger werden am Umschlagplatz per Kran vom Lkw auf den Waggon beziehungsweise wieder zurück geladen.

Handelsübliche Wechselbrücken haben Platz für 34 Europaletten. „Auf unseren Wunsch hin hat L.I.T. eine neue Wechselbrücke entwickelt, die aktuell konstruiert und ab dem kommenden Jahr für die Belieferung der Regionen Hamburg und Berlin eingesetzt wird“, erklärt Carsten Schönborn. Der neuartige Tiefbettsattel bietet Platz für 40 Europaletten und spart damit sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene Transportwege ein.

Auch mit Bahntransporten können wir unsere Auslieferung umweltbewusst gestalten: Sie verursachen etwa 70 Prozent weniger Emissionen als Transporte mit Diesel-Lkw. Allerdings sind sie nur dann sinnvoll nutzbar, wenn es gut zugängliche Anschlüsse an das Schienennetz gibt. Lkw sind flexibler und Bio-LNG bietet noch größere Einsparmöglichkeiten bei Emissionen, weswegen wir aktuell hierauf unseren Fokus legen. 

40 Europaletten passen auf die neue Wechselbrücke, die für uns entwickelt wird - sechs mehr als üblich.

Alternative Wege für einen nachhaltigeren Transport

Welcher alternative Antrieb verbindet Ökologie und Ökonomie am besten miteinander? Mit dieser Frage beschäftigen sich auch unsere Teams in Verladung und Logistik. Über den aktuellen Stand der Entwicklungen berichtet Logistikleiter Roland Keul:

Unsere Elektro-Autos werden mit Ökostrom aufgeladen

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Verladung und externen Experten haben wir uns intensiv mit vielseitigen aktuellen Technologien auseinandergesetzt. Auf diese Frage gibt es aber dennoch keine eindeutige Antwort. Denn die Entwicklung bleibt nicht stehen. Wir müssen und werden uns also kontinuierlich mit dem Thema beschäftigen. Stand heute gibt es jedenfalls nicht die eine Technologie, die für alle Zwecke optimal ist. Deswegen geht Gerolsteiner in der internen Logistik einen anderen Weg als beim Versand.

Wasserstoff ist momentan noch eine sehr teure Energieform mit hohem Wartungsaufwand. In Zukunft könnte diese Technologie dennoch auch für uns interessant werden. Für unseren Versand sind LNG-angetriebene Lkw aktuell eine gute Lösung. Bei der internen Logistik setzen wir auf den Elektroantrieb und stellen unsere Staplerflotte sowie den innerbetrieblichen Verkehr darauf um. 

Drei Stapler während des Be- und Entladevorgangs

Der Wirkungsgrad ist sehr hoch: Ein Elektromotor nutzt bis zu 90 Prozent der eingesetzten Energie, bei einem Dieselmotor sind es rund 40 Prozent. Außerdem sind die E-Stapler lokal CO2-frei unterwegs und werden bei uns zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben.

Von den 30 Großstaplern im Bereich Verladung sind bereits zehn elektrifiziert, außerdem ist die Hälfte der 30 Stapler in den Nebenbereichen mit elektrischen Antrieben ausgestattet. Dadurch haben wir bisher rund 300 Tonnen CO2 eingespart, bis 2026 sollen alle Stapler ausgetauscht sein. Wir sind auch in Gesprächen mit den Dienstleistern, die uns mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen beliefern, ihre Lkw auf Elektroantrieb umzustellen.

Ab dem vierten Quartal hat jeder Dienstwagennutzer die Möglichkeit, alternativ ein Elektrofahrzeug auszuwählen. Dafür bauen wir die Ladeinfrastruktur am Firmenstandort aus. Im Zuge dieses Ausbaus können dann auch Mitarbeiter ihr privates E- Auto, mit dem sie CO2-neutral zur Arbeit kommen, am Standort aufladen.