Gewässerschutz: Wie aus gemeinsamer Verantwortung Zukunft wächst

Mit dem Reginenhof haben wir einen verlässlichen Partner für unser Engagement im Quell- und Produktschutz gefunden. Der Biohof ist Wirklichkeit geworden. Seit Oktober 2018 ist der Reginenhof, unser direkter Nachbar am Vulkanring und ehemaliger konventioneller Milchvieh-Großbetrieb, ein zertifizierter Bioland-Betrieb. Der Viehbestand wurde reduziert, die Geruchsemissionen beseitigt, statt Silage gibt es Heu. Den Prozess der Umstellung beleuchtet eine SWR-Reportage.

Initiiert und finanziell unterstützt wurde die Umstellung des Reginenhofs seitens Gerolsteiner im Rahmen der „Kooperation Landwirtschaft", die wir bereits seit 2012 mit dem Ziel einer gewässerschonenden Bewirtschaftung vorantreiben. Der Reginenhof bewirtschaftet Flächen im engsten Bildungsgebiet des Mineralwassers, deshalb setzen wir alles daran, das Grund- und Tiefenwasser im Einzugsbereich vor möglichen Einträgen zu schützen.

Biopudding am Donnerstag

Inzwischen profitieren viele Seiten vom biologisch betriebenen Reginenhof. Denn die Landwirte verkaufen ihre Biomilch nicht nur an den Großhandel. Man kann frische, unbehandelte Milch direkt vor Ort in der 24-Stunden-Milchtankstelle beziehen. Auch die Gerolsteiner Mitarbeiter nehmen das Angebot gerne wahr - sogar auf dem Heimweg nach der Nachtschicht wird „getankt". Nicht nur bio und regional, sondern besonders nachhaltig ist der Fleischverkauf auf dem Reginenhof. Erst wenn eine Mindestbestellmenge erreicht ist, wird ein Tier geschlachtet und für den Verkauf zubereitet.

Wenn man einen Biobauern mit Milchwirtschaft als Nachbarn hat, kommen auch Biogerichte auf den Tisch. So freuen sich die Gerolsteiner Mitarbeiter jeden Donnerstag auf einen besonderen Leckerbissen: Denn dann steht Biopudding mit Milch vom Reginenhof auf dem Speiseplan von Simon Jardin, der seit über drei Jahren das Gerolsteiner Betriebsrestaurant leitet. Auch Rindfleisch bezieht Jardin vom Reginenhof.

Ulrich Rust und Rien Romme im Interview

Für das Interview stellten sich Familie Romme vom Reginenhof und Ulrich Rust, Geschäftsführer Technik & Logistik und verantwortlich für Nachhaltigkeit bei Gerolsteiner, Fragen in Bezug auf die Kooperation.

Vollziehen Sie den Schritt freiwillig oder gezwungenermaßen aufgrund der Kritik der Anlieger?

Rien Romme: Diesen Schritt gehen wir freiwillig und aus Überzeugung. Wir haben uns dazu viele Gedanken gemacht und nicht von heute auf morgen entschieden. Wir haben uns bereits für Ökolandwirtschaft interessiert, als wir noch in den Niederlanden waren.

Was bewegt Sie als eingefleischte konven­tionelle Landwirte zu diesem Schritt?

Rien Romme: Wir denken immer daran, wie wir langfristig unseren Betrieb am besten führen und entwickeln. In den Niederlanden waren wir es gewohnt, uns an soziale und politische Entwicklungen anzupassen. In der heutigen modernen Landwirtschaft muss man flexibel sein.

 

Was haben Sie ganz konkret unternommen?

Rien Romme: Um gewässerschonend zu arbeiten, wurden die Fruchtfolgen entsprechend ausgerichtet. Wir haben mit verschiedenen Ackerfrüchten Anbautests gemacht, z. B. mit Luzerne (Schneckenklee), Hafer, Erbsen, Wicke und Gerste. Auf Maisanbau werden wir in Zukunft verzichten. Zudem haben wir den Viehbestand reduziert und die Fütterung auf biologische Pflanzenerzeugnisse umgestellt.

Womit werden die Tiere nun gefüttert?

Rien Romme: Wenn die Tiere im Sommer auf die Weide gehen, natürlich mit Gras. Nachts im Stall frisch gemähtes Gras, Heu und Kraft-futter, was natürlich auch biologisch angebaut ist. Im Winter wird Heukraftfutter gefüttert. Das Kraftfutter möchten wir so viel wie möglich selbst anbauen, um auf diese Weise auch vorrangig regional zu produzieren und den Futtertransport aus anderen Regionen zu vermeiden. Dafür suchen wir noch zusätzliche Flächen.

Ist die Luft in Zukunft "rein"?

Rien Romme: Durch die Reduzierung des Viehbestands, die Heutrocknung statt Silage und die Abdeckung der Güllesilos sorgen wir dafür, dass mittelfristig auch die Geruchsemission stark reduziert wird.

Warum engagiert Gerolsteiner sich für die ökologische Landwirtschaft?

Ulrich Rust: Natürlich ist es in unserem Interesse, die Landwirtschaft in der Region möglichst nachhaltig und gewässerschonend zu gestalten, und wir begrüßen jede grundwasserschonende Bewirtschaftung. Es dauert zwar sehr lange, bis sich ein Regentropfen Gerolsteiner nennen darf. Aber je früher und genauer wir darauf achten, was oben passiert, desto besser.

Welche Mineralquellen liegen im landwirtschaftlich genutzten Betrieb?

Ulrich Rust: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Reginenhofs ist nicht zusammenhängend, sondern auf verschiedene Fluren des Gerolsteiner Landes verteilt. Unsere Quellen liegen meist auf großflächigen eigenen Betriebsflächen, die entweder selbst gepflegt werden oder an Landwirte für Heuernte oder Mulchen verpachtet werden.

Gibt es bereits heute erhöhte Nitratwerte?

Ulrich Rust: Gerolsteiner führt prophylaktisch ein sehr enges Monitoring der chemisch-analytischen Qualitätsparameter jeder einzelnen Mineralwasserquelle durch. Vergleichswerte zur Bestimmung von Entwicklungen und Trends reichen weit zurück, auch zum Qualitätsparameter Nitrat. Im Rahmen dieser Betrachtung können bei den einzelnen Quellen keine signifikanten Veränderungen im Nitratgehalt festgestellt werden.

Warum und wie genau unterstützt der Mineralbrunnen die betriebliche Verän­derung des Reginenhofs?

Ulrich Rust: Wir stehen seit Ansiedlung der Familie im konstruktiven Austausch. Im Sinne gewässerschonender Landwirtschaft haben wir bereits vor über zwei Jahren gemeinsam erste Möglichkeiten ausgelotet und nun in einem langen intensiven Prozess ein Modell erarbeitet, das die Reduzierung landwirtschaftlicher Intensität und den Gewässerschutz in Einklang bringt. Dabei wurden wir von einem externen Berater begleitet. Außerdem unterstützen wir die Familie Romme während der Übergangsphase finanziell.

Wasserschutz Gerolsteiner Land

Neben der Kooperation mit dem Reginenhof ist der Dialog mit den Landwirten im unmittelbaren Bildungsgebiet des Gerolsteiner Mineralwassers ein wesentlicher Bestandteil unserer Aktivitäten im Bereich Gewässerschutz.

Nach ersten Gesprächen im Jahr 2012 und einem intensiven Austausch ist es dem Gerolsteiner Brunnen gelungen, mit neun Betrieben im Mineralwasserkerngebiet eine Kooperationsvereinbarung für eine gewässerschonende Bewirtschaftung zu schließen. Ziel ist es, gemeinsam prophylaktische Maßnahmen zum Schutz des Grund- und Oberflächenwassers zu erarbeiten und umzusetzen, um die Qualität des Wassers auch für kommende Generationen zu erhalten.

Der ganzheitliche Maßnahmenkatalog umfasst die auf den jeweiligen Betrieb zugeschnittene Grundberatung zum Gewässerschutz durch die Dienstleistungszentren Ländlicher Raum. Hinzukommen regelmäßige Stickstoffbodenuntersuchungen, Düngeempfehlungen für die Grünlandflächen, regelmäßige Grundnährstoffuntersuchungen des Acker- und Grünlands sowie die Optimierung von Pflanzenanbau und Bewirtschaftungskonzepten. Gerolsteiner unterstützt die Landwirte finanziell bei den Kosten, die durch die Umsetzung der Maßnahmen anfallen, wie z. B. Umstellung von Mais- auf Ackerfutteranbau. Weitere Mitwirkungspartner sind die landwirtschaftlichen Interessenträger und Fachbehörden, die Wasserwirtschaftsbehörden, die Verbandsgemeinde Gerolstein, die Kreisverwaltung und das Landesministerium Rheinland-Pfalz.